Big Trip 2026 – Gümüslük
Big Trip 2026 – Gümüslük

Big Trip 2026 – Gümüslük

Der Wind wurde in der Nacht noch schlimmer. Schlafen fiel weitestgehend aus. Windgeschwindigkeiten von bis zu 28 km/h, so gemeldet, macgrten dem Dachzelt zu schaffen. Ich muß hier leider anmerken, dass mich dieses Dachzelt immer mehr enttäuscht. Ich hätte besser mehr Geld ausgeben sollen und zu einem der Platzhirsche greifen sollen. 

Früh um 05:30 Uhr war die Nacht zu Ende. Hatte keinen Zweck mehr. Bloß schnelle alles zusammenpacken und verschwinden. Leider musste ich feststellen, dass der Wind auch kräftig Staub aufgewirbelt hatte und och vergessen hatte das Schiebedach ganz zu schliessen. Die Seitenfenster vorne waren auch noch einen Spalt offen. Grossartig!

Ein kurzer Gassigang und dann ging es auch gleich los. Vorläufiges Ziel war Bodrum, alternativ die Gegend um Selcuk. Aber zunächst frühstücken, Und das musste wie bei der Anreise nach Ayvalik wieder bei Bireller sein. 

Da wir deutlich vor der Öffnungszeit dort ankamen noch ein Gassigang und dann erst einmal den Staub im Auto entfernen und wenigstens etwas aufräumen.

Zum Frühstück musste es Menemem und Cai sein. Wie immer vorzüglich und sättigend.

Aus der Gegend um Ayvalik kommt eines der besten Olivenöle der Türkei. Neben aisgezeichentem Essen sei hier auch die hausgemachte Limonade erwähnt: ein Genuss! Bier gibt es übrigens nicht. Ausswrdem werden dort hausgemachte Produkte wie Öle, Gewürze und Seifen und anderes angeboten. Eine kleine Dose Olivenöl würde ich schon noch irgendwo unterbringen. Und Seife kann ja nicht schaden, brauche ich ja eh. Warum also nicht Natur.

Bireller Ayvalik, Türkei

Dann machten wir uns auf den Weg. Hinter Izmir begann die Müdigkeit gnadenlos zuzuschlagen und ich hatte Mühe die Augen offen zu halten. Eine Kaffeepause war nötig, danach ging es dann erste einmal wieder. Inzwischen hatte ich beschlossen tatsächlich nach Gümüslük zu fahre um etwas Strecke gut zu machen zumal ich in Gümüslük auf der Ranch einige Tage verbringen möchte.

Beim zweiten Stop konnte ich die Gelegenheit nutzen mir ein paar Schuhe zu kaufen, denn Ersatz war angeraten. Neben Reifen habe ich bei meinen Reisen auch einen Verschleiß an Schuhen.

Als Bodrum endlich erreicht war, lagen noch die letzten 20 km vor uns. Letztes Jahr war der Verkehr schlimm, diesmal, vermutlich weil Sonntag, war es deutlich angenehmer zu fahren.

Gegen 16:30 Uhr kamen wir auf der Ranch an und ich konnte meine Stellplatz wie im Jahr davor gleich beziehen. Zur Begrüßung gab es eine türkischen Kaffee. Der Bichon musste sich gleich mit drei deutlich größeren Hunden befassen. Diese hielten sich aber zurück. Ich hoffe das bleibt so.

Leider auch hier wieder sehr starker Wind mit entsprechendem Wellengang. Der Bichon hatte wieder zu tun all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Und natürlich wollte er wieder Ball spielen. Ich muß feststellen ich komme mit dem Essen immer wieder zu kurz. Der Hund macht doch ganz schön Arbeit.

Nach einem Bier und einem schnellen Abendessen ging es gegen 21:30 Uhr ins Dachzelt. Ja, er scheint viel zu lernen hier draussen in freier Wildbahn. Ich merke auch, dass er nicht angeleint zwar auf Erkundungsgänge geht, aber doch immer wieder schaut wo ich bin. Gehe ich ans Ufer ist er mißtrauisch.

Gefahrene km: 426 km

Camp: Gümüslük

Der ursprüngliche Plan 5 Tage in Gümüslük zu verbringen platze wie viele Pläne zuvor auf dieser Reise. Schuld war diesmal meine Frage in einer Facebookgruppe ob ich wohl in Bodrum einen passenden Reifen kaufen könnte. Prompt bekam ich einen Tip einen ortsansässigen Händler zu konsultieren. Der meldet sich auch gleich, stellte aber fest, dass er keinen Falken bekommen kann.. Er könnte mir aber zwei GoddYear Wrangler besorgen. Da ich aber nicht wieder zwei Reifen kaufen wollte und dafür neben dem den zerfetzten auch den noch intakten Falken der gerade mal 5000 km abgespult hatte entsorgen wollte (ja, als Reserverad nutzen, toll) lehnte ich das Angebot erst einmal ab. Als ich Sedat, den Eigentümer der Ranch davon berichtete, kam das Faß erst richtig ins rollen. Kein Problem, wir haben einen Tite Man, der kann das fixen? Fixen? Ich wieś ihn darauf hin, dass ich genau einen Re3ifen in der genannten Grösse und Fabrik benötig und es da nichts zu fixen gäbe.  Erfolglos. 30 Minuten später erschien ein Lieferwagen. Ich erklärte dem Tier Man dass das Vorderrad mein Reserverad ist und dass der Reifen auf dem Reserverad gegen die neuen Reifen ausgetauscht werden müsse und dann vorn montiert werden müsse. Kein Problem. Er wollte mein Reserverad sehen und ich machte mir also die Mühe es herunterzukurbeln. Ich ahnte schon das endet nicht gut. Er sah es sich an und eh ich mich versah setze er seine Wagenheber unter das Vorderrad, lockerte die Radbolzen, hob das Auto an und wollte das Vorderrad entfernen. Ich konte ihn gerade noch daran hindern und erklärte alles noch einmal. Google Übersetzer war sehr hilfreich aber mitunter lesen die Menschen nur die ersten Worte und schlußfolgern auf den Rest des Satzes. Klappt nicht immer.

Nun, jetzt verstand er, zuckte mit den Schultern und zog wieder ab. Ich entschloss mich daraufhin aufzugeben, denn ich hatte ja drei gute un und eine noch guten Ersatzreifen auf meinen vier Felgen und einen fünften weniger guten Reifen als Ersatzrad.

Als Sedat erfuhr, dass es mit fixen nichts war meinte er „no problem“, er kümmert sich und findet einen anderen Weg. Später meldete sich auch noch Alp und bestätigte sie hätten Kontakte in Istanbul und keine Sorge, sie machen das.

Diese Hilfsbereitschaft ist nicht aufzuhalten. Ich brauche einen Reifen also muß der besorgt werden. Ich gab auf und ließ sie machen. Über das Internet erfuhr auf der türkischen Homepage von Falken, dass Falken in der Türkei nur bis Grösse 18 Zoll anbietet. Eine andere Info von einem Händler war, dass es in der Türkei diese Grösse 255/55R19 in der Türkei nicht gibt. Das wollte ich dann doch genauer wissen. Und tatsächlich wurde ich fündig. Ein Großhändler bot tatschte General Tire Gräber AT3 an. Und die Wrangler des Händlers in Bodrum gibt es ja auch in dieser Größe.

Ich schrieb auch Land Rover in Antalya an, dort war ich ja 2035 Kunde weil die Bremsen vorne getauscht werden mußten.

An einem anderen Tag nach einem Gassigang traf ich auf dem öffentlich Parkplatz des Strandes auf einen Discovery IV. Der Fahrer, Vater zwei Kinder baute gerade sein Zelt auf. Natürlich sprach ich ihn wegen des Autos an. Wir kamen gleich ins Gespräch und er bot sich sofort an mir zu helfen. 

An einem anderen Tag war ich im Heck des Disco beschäftigt und der Bichon saß neben dem Auto. Da stand auf einmal eine junge Frau neben dem Auto und streichelte den Bichon. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr dass sie aus Amerika in die Türkei gezogen ist. Sie interessierte sich für meine Reise und ich musste ihr das eine oder andere erzählen.  Schliesslich verabschiedeten wir uns. Sie fragte wie lange ich den bleibe und meinte dann vielleicht schaut sie noch einmal vorbei.

Der Bichon und ich gingen dann zum Supermarkt und sie kam uns auf dem Rückweg mit ihrem Auto entgegen. Ich traute meinen Augen nicht, ein uralter blauer Fiat wie man ihn früher in der Türkei oft sah. Wir winkten Einader zu und der Bichon und ich gingen zurück zur Ranch.

Am nächsten tag, als ich vom Duschen zurückkam, saß Jessica unter der Veranda neben dem Disco und tätschelte den Bichon. Wir begrüssten uns und sie sagte sie warte hier auf einen Bekannten der ihre Unterlagen zurückbringt. Kurz darauf kam Robert, ihr Bekannter um die Ecke. Robert war ein Balletttänzer der mit Nureyev zusammen gearbeitet hat und in Toronto als auch in New York auftrat. Später hatte er sein eigenes Studio. Er ist sehr interessiert an griechischer, amerikanischer und indigener Geschichte, kennt sich in den verschieden Religionen aus. Eine wunderbare Basis für einen über zweistündigen Gedankenaustausch bei dem wir feststellten, dass wir uns auf gleicher Wellenlänge bewegen.

Gleich zu Beginn dieses Gesprächs merkte ich, dass Jessica nicht sehr darüber erbaut war, dass Robert mich plötzlich vereinnahmte. Als dann Roberts hochinteressante Vergleich zwischen Hunger und Sex kam, verabschiedete sie sich da sie ja nun ihre Unterlagen durchsehen müsse. Von Robert erfuhr ich, dass sie zum Islam konvertierte, dabei sehr schlechte Erfahrungen machen musste und nun ein Buch darüber schreibe. Sie sei ausgebildete Psychologin mit diversen anderen Zusatzausbildungen.

Ein Highlight unseres Gedankenaustausches war sein Theorie ( oder doch Erfahrung ?): Sex ist wie Hunger. Man hat Hunger, also ißt man. Und danach ist man satt. So sei das auch beim Sex. Manch andere Inhalte unseres Gesprächs traue ich mich als Deutscher nicht mehr öffentlich zu sagen. Soweit ist es mit mir gekommen.

Ich finde es immer wieder überraschend wieviele Leute ich auf diesen Reisen kennenlerne und freue mich deren Ansichten zu erfahren. Es öffnet den Horizont.

Der Morgen fing so schön an. Wir wurden gegen 05:30 Uhr wach. Die Wellen brachen sich am nahen Ufer. Die Sonne gab ihr bestes. Der Wind auch. Der Bichon räkelte und streckte sich und bekam die üblichen Streicheleinheiten. Ich stieg hinunter, öffnete die Heckklappen um den Bichon aus dem Zelt zu holen. Ich schloss die obere Heckklappe und stieg auf die untere Heckklappe und griff mir den Bichon. Ich setzte ihn unten auf dem Boden ab, öffnete die obere Heckklappe wieder um Geschirr und Leine aus dem Auto zu holen.

Im nächsten Augenblick hörte ich ein schreckliches Gejaule und wusste sofort von wem das kam und was jetzt gerade passiert. Der Bichon wartete nach dem Absetzen auf dem Boden nicht wie ich erwartet hatte auf mich, sondern musste wohl dringend etwas Flüssigkeit loswerden und lief an seinen üblichen Platz. Ich habe nicht gesehen wie es begann. Ich sah nur was gerade passiert und dachte das wird er nicht überleben. In wenigen Metern Entfernung bissen zwei große Hunde auf ihn ein. Diesmal war ich wie gelähmt, geschockt. Ich schrie „Picasso, Picasso, Picasso“. Es geschah alles in wenigen Sekunden. Die Hunde ließen von ihm ab, wir liefen aufeinander zu. Jeder hatte nur zwei Meter zu überwinden. Ich ergriff ihn und auf dem kurzen Weg zum Auto merkte ich wie meine linke Hand naß wurde. Am Auto sah ich wie das Blut auf den Boden tropfte und die vielen Tropfen auf dem Boden.

Picasa nach der Erstversogung der Wunden

Ich funktionierte nun einfach nur noch. Hatte ja genügend Erfahrungen gesammelt und war gut ausgestattet. Bevor ich ihn auf die Heckklappe absetzte legte ich noch etwas unter um zu vermeiden das der Velours der Klappe Blut abbekommt, denn das würde alles mögliche Getier anlocken und ich würde es nicht mehr herausbekommen. Wie zum Beweis schnüffelte einer der großen Hunde bereist am Boden beben der Heckklappe. Den verscheuchte ich sofort. Ich setzte den Bichon ab, meine linke Hand war nur noch rot wie das Fell des Bichon links und rechts im Nacken. Die linke Wunde blutetet besonders stark. Ich erinnerte mich an die Worte des Tierarztes in Kroatien: machen Sie es so wie beim Menschen. Ich holte das Erste Hilfe Set aus dem Auto und begann mit der Wundversorgung. Ein Türke der vorbeikam half mir. Ich konnte die Blutung stoppen.

Ich rief Sedat, den Eigentümer der Ranch an und sagte ihm was passiert ist und ich nun zum Tierarzt müsse. Sedat sagte, nein, ich sollte warten, er würde alles notwendige einleiten. Inzwischen war es kurz nach 06:00 Uhr. Sedat verständigte die Tierärztin und ein Fahrer holte uns ab. 

Bei der Praxis mussten wir nur wenige Minuten auf die Tierärztin warten. Sie sah sich alles gleich an und sagte sie müsse ihn narkotisieren und die Wunden nähen. Er bekäme eine Injektion und Antibiotika. Die Wunden seien aber nicht schlimm. Ich könne ihn gegen 13:00 Uhr wieder abholen.

Wir überließen ihr den Bichon und fuhren wieder zurück. Um 13:00 Uhr holten wir ihn wieder ab. Er war natürlich noch leicht betäubt und sah erste einmal schlimm aus, wobei die Wunden eher weniger zu sehen waren aber das Desinfektionsmittel wird ja grossflächiger aufgetragen. Wir fuhren noch in die Apotheke um mein Vorrat an Desinfektionsmitteln weiter aufzustocken.

Picasso nach dem Nähen der Wunden

Den Rest des Tages verbrachte der Bichon im Heck des Land Rovers. Die Nacht verlief ruhig und auch am nächsten tag war mit dem Kerl nicht viel los. Allerdings war schon zu bemerken wie es ihm von Stunde zu Stunde besser ging und am übernächsten Tag lief er schon wieder herum und wollte auch Ball spielen. Aber das brach er dann schnell wieder ab. Auch das typische Abschütteln brach er gleich wieder ab. Das ging wohl noch nicht wegen der Wunden im Nacken.

Gökhan, der Mann mit dem Discovery setze sich voll und ganz ein um mir den Reifen zu beschaffen. Er kannte mich gerade mal fünf Minuten. Am Abend lud er mich zu sich auf seinen Platz am Strand ein. Aber da ich gerade ins Dachztelt gestiegen war und der Wind nicht wehte wollte ich einmal den Sonnenuntergang alleine mit Hund geniessen wohl wissend, dass der Wind morgen noch stärker als sonst wehen würde. Ich sagte ihm ab, wenn auch ungern. Wer nahm es mir nicht übel und sagte er melde sich sobald er mehr weiß. Einen Tag später verpassten wir uns, er wollte mit seinen Kids vorbeikommen, aber ich war in einem Restaurant um die Ecke. Schade. Die Sache mit dem Reifen verlängerte meinen Aufenthalt und Sedat kam auch nicht weiter mit seinen Erledigungen in Istanbul.

Am Montag meldet sich Gökhan und sagte der Reifen wäre mittags da. Naja, daraus wurde nichts. Er machet dem Reifenhändler nun aber ordentlich Dampf un um 17:00 Uhr konnte ich los nach Bodrum. So läuft das eben in der Türkei. Die Fahrt dahin dauerte 45 Minuten und der Reifen lag schon im Hof. Ein Schelm wer da denkt nein geht es gleich los. Nein, ich musste den Reifen einladen und noch ein paar Kilometer weiter fahren. Dort ging es dann schnell und nach 15 Minuten konnte ich wieder zurück nach Gümüslük. Göhkan hatte bereits alles bezahlt!

Am Abend trafen wir uns dann auf der Ranch und ich konnte meine Schulden begleichen. Zu erwähnen ist allerdings, daß Göghan deutlich abrundetet .. Bei einem Bier unterhielten wir uns noch eine Weile und verabschiedeten uns dann. Wir waren die letzten Gäste des Restaurants der Ranch. Ich denke wir werden sicher in Kontakt bleiben. Er sagte Georgien mit dem Disco sei überhaupt kein Problem. Na dann kann das ja doch noch was werden.