Die Nacht im Hotel war weniger angenehm. Um 05:30 Uhr raus zum Gassigehen und dann überlegen wohin. Offroad habe ich hier keine Idee, also soll es nach Ayvalik gehen. Ayvalik besteht aus einem Teil auf dem Festland und ein paar kleinen Inseln die über Brücken erreichbar sind. Die Inseln bieten hervorragende Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Meer. Man muss allerdings mit starkem Wind rechnen und Müll ist auch hier ein Thema.
Der Weg dorthin zog sich aber wieder mal in die Länge, denn Marko bestand darauf das HGS Problem zu lösen. Ich verbrachte am Vorabend und morgens insgesamt zwei Stunden mein HGS Konto irgendwie mit verschiedenen Kreditkarten aufzuladen. Ergebnislos. Nur Fehlermeldungen.
HGS kann man in Postfilialen, Banken oder an Autobahnraststätten aufladen. Nur ben nicht an allen. Eigentlich nur an ganz wenigen. Wir versuchten es erst einmal in Umurbey in einer kleinen Filiale. Dort gelang es mir mein Guthaben durch Einzahlung von Lire in einer kleinen Postfiliale mit den restlichen Lire aus 2025 zu beladen. Euros wurden nicht akzeptiert.
Damit erhöhte sich der eigentlich unnötige Stress für meinen Begleiter weiter. Denn man hat ja sieben Tage Zeit für ausreichend HGS Guthaben zu sorgen. Das mag schwierig sein, ist aber tatsächlich möglich.
Ich konnte ihn überzeugen nicht nach Cannakale zurückzufahren. Um fündig zu werden sucht man über eine Suchmaschine nach „HGS aufladen Sticker“. Unter den Auflistungen sucht man sich dann eine passende grosse Postfiliale in der Nähe heraus.
Und in der Tat, in Ezine, lag ja auf der Strecke, fand ich eine gross Postfiliale in der er seinen Sticker bekam, ich Euros wechseln konnte und mein HGS Konto aufzustoken.
Nun konnten wir uns endlich der Erreichung unseres Tagesziels widmen was bei dem mir vorgegebenem Tempo von maximal 80 km/h sicher für eine späte Ankunft sorgen würde.
Zwei Pausen verzögerten das weiter, aber Nahrung muss ja auch zugeführt werden. Auch der Bichon hatte Hunger. In einem kleinen Restaurant an der Strasse nach Ayvalik konnte wir auch dieses Problem lösen.
In der Dämmerung erreichten wir unser Ziel, einen Stellplatz auf der Halbinsel am Ufer des Meeres. Sogar der Wind flaute schliesslich ab.
Am nächsten morgen weckte uns die Sonne bereits sehr früh. Gleich eine Runde Morgengassi. Die Wunde an Bein des Bichon sah nun deutlich besser aus.
Marko gesellte sich zum Frühstück dazu. Haferflocken, Instantkaffee, Zweiback. Mehr war nicht im Angebot. Ich teilte Marko mit, dass ich noch einen weiteren Tag hier bleiben werde; Marko beschloss aber schon heute umzukehren und brach Richtung Istanbul auf.
Mein Ziel für heute war den Bichon endlich spielerisch ins Meer zu locken. Ich ging mit ihm ans Ufer und nahm seinen roten Ball mit, ging ein paar Schritte ins Wasser und er blieb stehen. Dann ließ ich den Ball ins Wasser fallen. Er lief hin und her und tapste dann tatsächlich ins Wasser und holte den Ball. Aber schnell wieder raus. Ich wiederholte das Spiel und ließ den Ball etwas weiter weg vom Ufer ins Wasser fallen. Tatsächlich ging er los bis auch der Bauch das Wasser berührte.

Gut daß der Ball nun greifbar war. Gleich raus, den Ball fallenlassen und erst mal schütteln. Dabei beließ ich es erst einmal.
Der Tag verging mit Fahrzeug aufräumen, umsortieren, sonnen, mal ins Wasser gehen, lesen, dösen, mit dem Bichon Ball spielen. Wobei der Bichon heute sehr faul war und den ganzen Tag bis auf das Ballspielen schlief oder döste.
Dennoch gab es ein kleines Highlight. Gerade als ich mir einen Kaffee kochte fiel mir das sich wiederholenden Aufheulen eines Quadmotors auf. Ein Blick hinauf auf die Strasse zeigte ein Quad welches wohl von der Strasse über die Böschung im Gestrüpp landete. Die beiden jungen Kerle bemühten sich verzweifelt und ohne Erfolg das Quad zu befreien. Keiner der Autofahrer die vorbeifuhren halfen. Mist, dachte ich, gerade ist der Kaffee fertig. Aber ich kann da ja nicht zusehen. Ich schnappte den Bichon und lief durch das Gestrüpp hoch zu ihnen. Ich deutete ihnen an ich würde Ihnen da raushelfen auch wenn ich kein Seil dabei hätte. Ich fragte den Jungen ob er in der Lage wäre das Quad weiter die Böschung herunterzufahren falls es gelingt das Quad freizubekommen. Das ginge meinte er. Ich ging also zurück zum Wagen und holte meine Säge und ein Beil. Ich gab ihm zu verstehen, dass wir nun das vor dem Quad befindliche Dornengestrüpp entfernen und dann das Quad vorne in Richtung Gefälle rücken müßten. Gesagt, getan und der Erfolg stellte sich nach eine wenig Gezerre und Gerüttelt sogleich ein. Er stieg auf und fuhr durch das Gestrüpp hinunter und dann wieder hoch auf dien Hauptweg. Überglücklich bedankte er sich, bot mir Geld und Zigaretten an, was ich dankend ablehnte. Gerade als ich gehen wollte bemerkte er, dass ein Vorderreifen seines Quads wohl etwas Luft verloren hatte. Ich sagte ihm auch das können wir beheben, er solle einfach auf dem Fahrweg hinunter zu meinem Fahrzeug kommen. Dort schloss ich dann meinen Kompressor an und sorgte recht schnell für den richtigen Druck im Reifen. Dieser gab die eingefüllte Luft auch nicht mehr her. Bestens.

Nun war die Freude noch größer. Er sagte mir, er sei Bulgare und wenn ich über Bulgarien heimfahre, solle ich unbedingt bei ihm vorbeischauen. Ich bekäme zu essen und zu trinken und übernachten könne ich dort auch. Wir tauschten die dafür notwendigen Daten aus und er zeigte mir gleich was er mit dem Quad so machen kann. Dass er dabei die ganze Seite des Disco einstaubte war selbstverständlich Bestandteil der Show. Wir waren alle mal jung.
Am frühen Abend zog wieder starker Wind auf, es gelang mir gerade noch rechtzeitig die Markise wieder einzuklappen. Da es bedingt durch den Wind und die Position des Fahrzeugs nicht möglich war im Heckbereich zu kochen musste ich den Disco umparkieren. Das hatte auch den Vorteil, dass das Solarpanel auf dem Dachzelt morgens gleich von der aufgehenden Sonne bedient wird.

Ein schnelles Abendessen aus dem Glas, Abwasch und den Müll entsorgen. Gut gelöst hier, denn es stehen oben auf den Zufahrtswegen ausreichend Müllcontainer zur Verfügung und die Müllabfuhr kommt wohl auch regelmäßig. Aber es macht sich eben nicht jeder die Mühe und entsorget seinen Müll eben da wo er anfällt. Ich hoffe irgendwann hört das auf.
Gegen 20:00h ging es dann ins Dachzelt und ich konnte von dort aus das Farbenspiel des Sonnenuntergangs geniessen. Leider ohne Bier.

Nun, wie soll es weitergehen? Bodrum kristallisiert sich langsam als das nächste Ziel heraus. Die Frage ist nur direkt oder doch mit Zwischenstop. Ich weiß es nicht. Ich werde es erleben.
Gefahrene km: 250 km
Camp: Ayvalik
