Akseki – Das war wohl nix
Akseki – Das war wohl nix

Akseki – Das war wohl nix

Wie immer beginnt der Tag recht früh gegen 0500h. In Vorfreude auf möglicherweise gleich zwei tolle Offroadtouren hinauf in die Berge gönnte ich mir ein ausgiebiges Frühstück. Allerdings zogen Regenwolken auf und es gelang mir gerade noch mit dem Abwasch fertig zu werden bevor es zu tröpfeln begann. Also schnell das Dachzelt zuklappen und startbereit werden. Dies gelang gerade noch rechtzeitig. Ziel war Akseki, der Startpunkt der ersten Tour. Doch nach einer Stunde Fahrt und Durchquerung von zwei Regenfronten überraschte mich eine Strassensperre. Die Einfahrt nach Akseki war nicht gestattet.

Die Polizisten schlugen mir einen Umweg vor. Der kostete mich wieder zwei Stunden. Aber er führte mich nach Gündogmus auf einer wunderschönen Strecke kurvenreich auf schmaler Strasse bergauf und wieder bergab, durch einen Canyon am Fluss entlang mit atemberaubenden Aussichten.

Dann die Überraschung: auch diese Zufahrt nach Akseki war gesperrt. Die Polizei ließ keine Ausrede gelten, eine Tankstelle gäbe es auch in der anderen Richtung im nächsten Ort. Damit schied diese Tour schon mal aus. Warum Akseki gesperrt war habe ich nie erfahren.

Was nun? Egal, dann eben die zweite Tour. Man muss es nehmen wie es kommt. Läuft diesmal gar nicht wie geplant in der Türkei. Aber ich merke, dass ich langsam Tempo rausnehme und mir mehr Zeit lasse. Mitunter sorgen allerdings auch andere Umstände für eine Entschleunigung.

Von Akseki sollte es nach Gündogmus und dabei bis auf eine Höhe über 2200m gehen. Diese Höhe erreichte ich jedoch nicht. Schlimmer noch, das auftretende Problem sollte zum Wendepunkt des Big Trip 2025 werden.

Also Abbruch und erst einmal tanken. Ein Imbiss eröffnete die Möglichkeit eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen und weiter zu entschleunigen. Frisch gestärkt konnte ich alsbald die nächsten Kilometer in Angriff nehmen. Die anstehende Track war bei Pistenkuh mit ca. 6h veranschlagt. Dies bedeutete, dass ich irgendwo in den Bergen mein Camp aufschlagen musste.

Es ging immer weiter aufwärts und irgendwann hatte ich die Baumgrenze hinter mir gelassen. Wieder einmal wechselte die Landschaft. Ein Hochtal umrahmt von den Berggipfeln mit weit verstreut deutlich abseits des Fahrwegs liegenden einzelnen Bauernhöfen bot einen imposanten Anblick. Zudem eine Stille die das Ganze noch erlebenswerter machte. Auch war es etwas kühler als im Tal. Ich hätte eine längere Pause machen sollen um dieses Bild in mein Hirn einzubrennen. Aber es könnte ja noch viel besser kommen. also weiter.

Ich erreichte das Ende des Hochtals und an einer Gabelung befand sich ein Imbiss der relativ gut besucht war. Ich beschloss nicht anzuhalten, die Neugier auf das Kommende trieb mich weiter. Inzwischen machte mir der Himmel aber immer deutlicher was ihn im Sinn stand. Sehr dunkle Wolken waren inzwischen aufgezogen. Ich fuhr weiter und die Landschaft wurde zu einer kargen schroffen in Grautönen gehaltenen Felsenlandschaft. Ich war schier begeistert. Das war es was ich sehen und erleben wollte. Mir wurde nun auch klar, dass es ein starkes Gewitter geben wird und ich mir Gedanken um eine Übernachtung auf über 2000m im Gewitter machen musste.

Aber diese Sorge wurde mir ganz plötzlich abgenommen. Der Land Rover vermeldet plötzlich, daß die Bremsen abgenutzt seien. Der Gedanke es könne doch nicht sein, ich hatte doch eine verschärfte Inspektion machen lassen und nicht einmal die Hälfte der km der letzten Reise hinter mich gebracht. Da ich am Wahrheitsgehalt dieser Meldung nicht zweifelte beschloß ich Google nach einer Land Rover Vertretung zu fragen. Antalya wäre die Nächstliegende. Schön. Von da kam ich ja gerade.

Während ich mich langsam damit abfand, daß dies wohl der Weg ist bemerkte ich einen Schatten links neben mir. Ein blaues Auto fuhr gerade langsam vorbei und hielt dann an. Jandarma! Hier! In dieser Einöde auf rund 2000m Höhe! Das Auto fuhr zurück. Der Beifahrer ließ die Scheibe runter. Wir begrüßten uns und ich schilderte ihm mein Problem. Auf meine Frage ob ich es riskieren könnte die Tour fortzusetzen riet mir der Polizist dies auf keinen Fall zu machen, sondern die nächste Werkstatt aufzusuchen und vorsichtig zurückzufahren. Schade, das ließ sich gerade so vielversprechend an.

Somit hieß es umkehren und hoffen, daß die Bremsen bis Antalya weiterhin funktionieren. Ich ging auch davon aus, dass die Land Rover Vertretung sowohl Bremsbeläge als auch Bremsscheiben vorrätig haben. Ja, und sie werden bestimmt auch sehr preiswert sein. Eine freie Werkstatt die garantiert noch viel viel preiswerter ist kam für mich nicht in Frage, da diese die notwendigen Teile sicher erst besorgen müßten.

Der Weg zurück zog sich in die Länge, die Bremsen funktionierten weiter wobei ich möglichst wenig zu bremsen versuchte. Eine Stunde vor Antalya hoffte ich einen Platz für die Nacht zu finden. Doch der Sandplatz am Ende des Weges abseits der Hauptstrasse erwies sich ob der gut befahrenen Hauptstrasse als zu laut und ich befragte Booking nach einem Hotel. In Side nahe des Meeres wurde ich fündig.

Auch wenn ich diesen Track nicht zu Ende bringen konnte, er ist einer der schönsten die ich bis dahin gefahren bin. Ich werde ihn 2027 erneut in Angriff nehmen und einer der Schwerpunkte des Big Trip 2026 werden die Berge hinter Antalya sein.

Lessons learned

Auch wenn die Werkstatt einen umfangreichen Pre-Check des Fahrzeugs durchgeführt hat ist es wohl besser vorab eine Checkliste zu erarbeiten die auch regelmäßig aktualisiert wird und bei Abgabe und Rückgabe des Fahrzeugs durchgegangen wird.